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DAS DEUTSCHE LAUREL & HARDY FORUM

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 Stummfilme
Oliver Hardy Offline




Beiträge: 927

29.05.2018 13:48
Putting Pants on Philip – Ein brutaler Hosenkauf antworten

Putting Pants on Philip – Ein brutaler Hosenkauf

Stummfilm / 19 min. / Erstveröffentlichung: 3. Dezember 1927

Regie: Clyde Bruckman

Drehbuch: Leo McCarey, H.M. Walker

Kinotitel:

Der Jüngling aus der Fremde
Philip, zieh Hosen an!
Was tragen die Schotten da drunter?

Dick und Doof: Der Mann im Weiberrock (Folge 12)

Zwei Herren dick und doof: Ein brutaler Hosenkauf (Folge 21)

Darsteller:

Stan Laurel (Philip)
Oliver Hardy (Piedmont Mumblethunder)
Harvey Clark (Schneider)
Sam Lufkin (Schiffsarzt)
Ed Brandenberg (Busschaffner)
Dorothy Coburn (Philip´s Lieblingsmädchen)
Charles A. Bachman (Polizist)


Inhalt:

Philip, ein junger Mann aus Schottland, kommt nach Amerika, um den kolumbianischen Halbdollar zu suchen, den sein Großvater einst hier verloren hat. Als Onkel Piedmont ihn am Hafen abholt, erscheint Philip zu seinem Entsetzen im Schottenrock und bietet gleich mehrmals Anlass für große Menschentrauben. Mädchen fallen in Ohnmacht, Männer spotten.

Onkel Piedmont ist das außerordentlich peinlich, denn er ist sehr um seinen guten Ruf in der Stadt besorgt. Er kann jedoch nicht verhindern, dass immer mehr Schaulustige dem merkwürdigen Duo folgen. Der Höhepunkt der Peinlichkeit ist erreicht, als ein Polizist Onkel Piedmont darauf aufmerksam macht, dass diese "Dame" unter dem Rock keine Unterwäsche trägt. Zu allem Überfluss wird der Schottenrock dann auch noch durch die ausstörmende Luft eines U-Bahn-Schachtes nach oben geblasen. Deshalb soll Philip schnell ein paar anständige Hosen bekommen.

In einem Brief von seiner Schwester aus Schottland wurde Onkel Piedmont bereits vergewarnt, dass Philip trotz allgemeiner Schüchternheit jedem Weiberrock hinterher jagt. Das bewahrheitet sich, wobei Philip einer Dame besonders zugetan ist, bei deren Anblick er sofort losgaloppiert wie ein Ziegenbock. Das macht es für Onkel Piedmont nicht einfacher, ihn in Hosen zu bekommen. Ein Schneider hat seine liebe Not, die Maße zu nehmen, da Philip bei jeder Berührung seines Unterleibes sofort Reißaus nimmt...


Hintergrund:

Ollis Charakter ist der eines untadeligen Kleinstädters, der durch seinen Neffen aus Schottland in peinliche Situationen gerät. Vieles dreht sich um den Schottenrock und das, bzw. was nicht darunter getragen wird. Dies ist natürlich in der heutigen Zeit abgedroschen, und nicht mehr sehr komisch. Für die damaligen Zuschauer war das Thema aber wohl noch recht brisant und frivol.

Lange Zeit haben sowohl Hal Roach als auch Stan Laurel behauptet, dass Putting Pants on Philip der erste "echte" Laurel & Hardy-Film sei. Wenn man die beiden Vorgängerfilme betrachtet, kann man damit allerdings nicht ganz konform gehen. Tatsache ist, dass die Figuren in diesem Film noch nicht ausgereift sind - sowohl optisch, als auch charakterlich. Stan spielt im Gegensatz zu seinem bekannten Image einen wilden, liebestollen Jugendlichen. Und auch Olli hat noch nicht zu dem Gentleman alter Schule gefunden, der in den unmöglichsten Situationen galant und höflich bleibt. Dagegen legt er hier größten Wert auf die Meinung der Leute.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt das auch daran, weil der Film schon lange geplant war, die Dreharbeiten aber vom MGM-Management um einige Monate verzögert wurden, weil man nicht an einen Erfolg des Films glaubte. Es ist zudem 1927 der Film mit den meisten Außenaufnahmen und langen Kamerafahrten durch die City, was natürlich recht aufwändig und nicht billig ist. Außerdem wurden jede Menge Statisten benötigt.

Dennoch ist der Film kein Flop: Ein anderes Element, das bald schon ein weiteres „Markenzeichen“ werden sollte, ist nämlich schon da: Ollis verschwörerischer Kontakt mit dem Zuschauer durch seinen direkten Blick in die Kamera. Er setzt diesen Kamerablick für unterschiedliche Stimmungen und Mimiken ein, meist aber für seinen Ausdruck völliger Verärgerung.

Eine der Schwierigkeiten komischer Darstellung im Film im Vergleich zur Bühne besteht darin, dass das Publikum fehlt, und daher nicht abschätzbar ist, wie lange das Lachen nach jedem Gag dauert. Stan und seine Kollegen zeigten daher die Filme bei der Preview einem Vorschaupublikum, um zu testen, wie lange gelacht wurde, um dann den Film entsprechend zuzuschneiden. Ollis langer Blick der Entrüstung oder Resignation direkt in die Kamera im Abschluss an irgendeine Gemeinheit von Stan, erwies sich als äußerst nützlich.

Die Zuschauer lachten über Stans Aktion und zugleich über Ollis Missgeschick. Ollis „Kamerablick“ konnte für unbestimmte Zeit gehalten, und je nach Dauer des Lachens beim Vorschaupublikum, zurechtgeschnitten werden.

Dies ist eine entscheidende Änderung: In der Stummfilmzeit waren die Komödien durch hektische Non-Stop-Action gekennzeichnet. Bei Laurel & Hardy wurde die Action bewusst verlangsamt. Als Olli mit einer riesigen Sahnetorte auf einer Bananenschale ausrutscht, und der Länge nach mit dem Gesicht in der Torte liegt, verharrt er einige Sekunden regungslos in dieser Position, um dem Zuschauer genügend Zeit zum Lachen zu geben. Die irrwitzigsten Zerstörungsorgien verlaufen in einer Art ritueller Ruhe ab.


Eine kleine Szene ist typisch für den Laurel & Hardy-Humor: Neffe Stan breitet seinen Kilt über einer Pfütze aus, damit ein Mädchen bequem darüber laufen kann. Sie ignoriert ihn und läuft am Kilt vorbei. Hardy ist amüsiert, und will seinem Neffen nun zeigen, wie man sich als fescher Mann Mädchen nähert. Er turtelt mit seinem ganzen Charme und seiner Galanterie, und ist vollkommen verwirrt, als ihm ein Mädchen eins auf die Nase haut und davon stolziert. Er setzt eine Mine gedämpfter Entrüstung auf. Aber damit nicht genug. Die Späße von Laurel & Hardy setzen dieser Folge von Desastern noch eins drauf: Olli entschließt sich, den Kilt nun selbst zu nutzen. Er betritt ihn und versinkt im gleichen Augenblick bis zum Hals im Schlammloch.

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